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Vom Knoblauchaufstrich bis zum Kuriositäten-Finale: Wie kicker-Redakteure den Afrika-Cup 2025 erlebten

Der Afrika-Cup endete mit einem denkwürdigen Finale: das vermeintliche Siegtor in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit durch die Senegalesen, kurze Zeit später ein Elfmeterpfiff auf der anderen Seite, der dafür sorgte, dass der Trainer die Mannschaft in die Katakomben lotste. Nachdem der Strafstoß dann doch ausgeführt (und verschossen) wurde, ging es in die Verlängerung, in der sich der Senegal den Sieg sicherte und sie sich zu den Königen Afrikas krönten.

Das Turnier in Marokko geht in die Geschichte ein – doch nicht nur aufgrund der Ereignisse auf den Spielfeldern. Die kicker-Redakteure Michael Postl und Martin Roser waren live dabei  – über einen Helden ihrer Kindheit, die Strahlkraft des kicker und ein Turnier, das an Kuriositäten kaum zu übertreffen sein wird: 

Im Video: Marokko-Party, Osimhen-Double & Final-Irrsinn - hinter den Kulissen des Afrika-Cupskicker

Bringen wir nun etwas vom Bäcker mit? Oder reicht ein Aufstrich? Und dürfen wir eine Einladung überhaupt annehmen? Es sind die kleinen und die großen Fragen, die uns beschäftigen, als wir eineinhalb Stunden vor dem marokkanischen Ladenschluss erfahren, dass Youssef Mokhtari uns am nächsten Tag um 9 Uhr zum Frühstück empfangen will.

Der ehemalige marokkanische Nationalspieler ist ein Held unserer Kindheit, sein rechter Fuß eine Augenweide. Eigentlich wollten wir nur ein Interview mit ihm führen, immerhin bestreitet sein Heimatverband derzeit den Afrika-Cup, als bester Torschütze eines Turniers, Ex-Profi des 1. FC Köln und des MSV Duisburg und Experte gibt er einen idealen Gesprächspartner. Nun will er aber mit uns frühstücken. Und bei einer Einladung bringt man eben etwas mit. In unserem Fall: viel zu scharfen Knoblauchaufstrich mit Fetakäse und Chilischoten.

Eine Einladung ist aus journalistisch-ethischer Perspektive schwierig, die Unbefangenheit steht ebenso auf dem Spiel wie die journalistische Distanz, wenn der Gesprächspartner bezahlt. Es ist eines der Dinge, die wir beim Afrika-Cup in Marokko sehr schnell lernen: Ablehnung ist unhöflich. Dann eben eine Paste mit mehr Knoblauch als Käse. Ein Aufstrich als Ausgleich. Und das Trinkgeld haben wir auch übernommen.  

Gesprächspartner sind hier auch Gastgeber, sie erwarten ein gesellschaftliches Ereignis, nicht nur ein schnödes Interview. Eine Formel, die auch für den Gastgeber des gesamten Turniers gilt. Organisiert statt romantisiert, ein Endspiel als Event. In mancher Hinsicht ist es hier größer, lauter, eindrücklicher als in Europa.  

Wir dürfen die marokkanische Fußballakademie besuchen, bekommen einen Tee und eine zweistündige Tour durch das gut 20 Hektar große Areal. Videos? Können wir machen, aber bitte nicht veröffentlichen. Ach ja, hier ist noch ein Tee. 

Europäische Standards: Wie sich Marokko als Gastgeber in Szene setzte

Es ist beeindruckend, wie sich dieses Land herausgeputzt hat. Die Stadien stehen den modernen Arenen in Europa um nichts nach, verlieren dadurch aber auch ihren Charme.  Saubere Straßen, getrimmte Rasenflächen und glänzende Marmorböden zieren Rabat, die Hauptstadt. Der Preis: tausende getötete Straßenhunde. Die, die noch leben, sehen wir in abgelegeneren Gebieten, zu dutzenden liegen sie manchmal neben der Straße, manchmal mitten darauf. Marokko ist auch ein Land der Gegensätze.  

Und wir durften es für den kicker zwei Wochen lang besuchen. Wir trafen aktive Profis und Ex-Spieler, sprachen mit einem Mann, der die WM 2026 zur Flucht nutzen will, mit einem U-17-Nationalspieler Somalias, der von Europa träumt, einem Parkplatzanweiser, der wegen des Afrika-Cups sauer auf den marokkanischen König ist, mit Funktionären, Sportlern, Trainern, Journalisten. Sie alle eint die Liebe zum Fußball. Und den meisten von ihnen ist auch der kicker schon untergekommen.

Auch in Afrika mehr als ein Fußball-Begriff: „kicker? Klar, kennen wir“

Gleich am ersten Tag verfuhren wir uns wegen der zahlreichen Absperrungen rund um das Stadion in Tanger. Auf der Straße neben uns: vier senegalesische Journalisten, die selbst nicht wussten, wohin, aber das kicker-Mikrofon hinter der Windschutzscheibe erblickten und sich daraufhin wortreich auf die Rückbank unseres Kleinautos quetschten. Der Tenor: kicker? Klar, kennen wir. Den Weg aber nicht. Ihr aber schon, richtig? Na ja, so halb. 

Diese Episode zeigte uns aber: Selbst in Afrika ist der kicker den Menschen ein Begriff. Dafür müssen sie nicht einmal deutsche Wurzeln haben, wie die zahlreichen Marokkaner, die uns vor den Stadien unbedingt ein Interview geben wollten, weil sie „den kicker ja schon seit Jahren lesen“. Einige Journalisten, die wir für ein Experten-Interview bekommen konnten, fragten noch Tage später, wann ihr Gesicht denn endlich auf den kicker-Kanälen zu sehen sei? Bald, nur die Ruhe.

Denn dank der Stimmung rund um die Stadien, der zahlreichen Bundesligaspieler beim Afrika-Cup, der Elfenbeinküste als WM-Gruppengegner der deutschen Nationalmannschaft, hatten wir so einiges mit den Menschen vor Ort zu besprechen. Viele Themen, viele Experten, viele Videos. 

kicker-User: Starkes Interesse auch für den Afrika-Cup

Sie fanden zahlreiche Interessenten in Deutschland, das zeigen alleine die Zahlen. Und sie belegen: Der afrikanische Fußball wird immer interessanter auf dem deutschen Markt. Ein Trend, den auch die Menschen vor Ort registrieren. Trotzdem sagten einige von ihnen, dass dieser enorme Kontinent noch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient.  Gerade nach diesem kuriosen Finale, einer Partie, die fußballerisch, atmosphärisch und emotional auf höchstem Niveau stattfand. Anders ausgedrückt: eine Begegnung der Sorte "Davon erzähle ich meinen Enkeln noch". An dieses Spiel kam keines heran, trotz der (wenn auch teilweise verständlichen) unrühmlichen Tumulte.

kicker-Zahlen zum Africa Cup

  • über 60 Mio. Page Views

  • über 7 Mio. Page Views auf das Finale

  • über 2 Mio. Page Views auf die Spielerprofile

  • über 128.000 Plays für die Video-Highlights des spektakulären Finales

  • Meist aufgerufener Spieler: Die tragische Figur Brahim Diaz, dichtgefolgt vom Bayern-Stürmer Nicolas Jackson

Fazit

Die Organisation war perfekt, vielleicht gar zu perfekt. In Marokko erinnerte kaum etwas an vergangene Turniere, bei denen Akkreditierungen verlegt, Plätze kaum gepflegt oder Entscheidungen eher nach Augenmaß statt durch eine Kameralinse getroffen wurden. Sicher, Anfeindungen auf der Pressetribüne wären in Europa undenkbar, und doch macht es den Charme eines Turniers aus, wenn Journalisten sich eher wie Fans denn als Berichterstatter geben. 

Sportlich gesehen ist das Niveau hoch, größere Unterschiede zu europäischen Profis lassen sich wenn dann bei Torhütern feststellen. Denn noch immer gilt: Afrikanische Kinder eifern vor allem den Offensivstars nach, wollen am liebsten im Sturm spielen. Das merkt man auch bei den Nationalteams. Der Stolz ist und bleibt aber groß auf diesem vielseitigen, enorm großen Kontinent. Auch wenn er bisweilen dazu führt, dass man sich zu einem nach Knoblauch riechenden Mitbringsel genötigt sieht.

Text und Bild: Michael Postl und Martin Roser

Tommy Dobs

PR & Communications Manager

tommy.dobs@olympia-verlag.de

Tommy Dobs ist seit über zehn Jahren im Bereich Content Marketing, PR und Blogging aktiv. Für unseren Blog schaut er hinter die Kulissen unserer Sportmedien-Angebote, beleuchtet unsere Projekte und spricht mit den Menschen über ihre Motivation. Eine besondere Leidenschaft ist für ihn Data Storytelling. So bringt er Daten und Zahlen zusammen, um emotionale Geschichten mit detailreichen Fakten zu erzählen.